Wie du als Gen-IngenieurIn Gehirn und Körper veränderst

Aktualisiert: Jan 11

Dein Gehirn bestimmt, was du fühlst?

Die Neurowissenschaft sagt: Es ist anders, als wir bisher geglaubt haben.

Unsere Gefühle verändern unser Gehirn.

Wie viel Macht wir als Gen-IngenieurInnen tatsächlich haben und wie wir den Placebo-Effekt für uns nutzen können.



Es ist ein kühler Septembertag im Jahr 1981, an dem 8 alte Herren in einem Kloster in New Hampshire, zwei Stunden nördlich von Boston, aus dem Auto steigen. Sie werden die nächsten 5 Tage hier verbringen und so tun, als wären sie wieder jung, genauer gesagt: Sie werden so tun, als wären sie 22 Jahre jünger. Dieser Retreat wird von einem Forschungsteam der Harvard Universität geleitet und erfüllt alle wissenschaftlichen Standards. Als Kontrollgruppe werden weitere 8 Männer im gleichen Alter eine Woche später denselben Retreat erleben und in Erinnerungen der endenden 1950er schwelgen, mit einem Unterschied: Sie werden nicht selbst so tun, als wären sie jünger.



Ein Kloster als Zeitmaschine

Für die erste Gruppe ist im Kloster alles perfekt vorbereitet. Die 8 Herren finden eine Umgebung vor, die es ihnen leicht machen soll, sich zurück zu versetzen. Sie blättern in Zeitschriften von damals, sie sehen Filme und Fernsehshows von 1959, sie hören die Musik von Nat King Cole und sie unterhalten sich über das aktuelle Zeitgeschehen: Die Machtergreifung Fidel Castros auf Kuba oder den USA-Besuch von Nikita Chruschtschow.

Nach 5 Tagen messen die Wissenschaftler ihre Werte und vergleichen sie mit denen vor dem Klosteraufenthalt.

Und stellen Erstaunliches fest: Körpergröße, Gewicht und Gang haben sich verbessert. Die Männer halten sich aufrechter und werden dadurch wieder größer. Ihre Gelenke sind flexibler, sie hören wieder besser. Auch kognitive Fähigkeiten wie das Gedächtnis haben sich gesteigert, in der 1. Gruppe um 63%, in der Kontrollgruppe um 44%.

Alle 16 Männer sind in den 5 Tagen physiologisch jünger geworden, direkt vor den Augen der Forschenden. Beim gemeinsamen Fußballspielen warfen einige Männer ihre Gehstöcke zur Seite. Dabei waren die Ergebnisse in der ersten Gruppe (die so getan hatte, als wäre sie tatsächlich wieder jünger) signifikant besser als in der Kontrollgruppe, die sich nur an die Zeit zurück erinnerte. Wie ist das möglich?


Der Zauber der Neuroplastizität


In den 1990er-Jahren entdeckte der Neuropsychiater Eric Kandel, dass unser Gehirn auf Stimulation reagiert. Es ist also keine statische Masse, sondern reagiert auf die Signale, die wir ihm schicken, indem es neue Nervenverbindungen schafft. Das bedeutet: Wir können unser Gehirn aktiv beeinflussen und transformieren, wenn wir das möchten.

Für die Entdeckung der Neuroplastizität hat Dr. Kandel den Nobelpreis erhalten, so hoch wurde die Bedeutung seiner Forschung eingeschätzt.

Inzwischen wissen wir auch, welche wichtige Rolle Emotionen bei diesen Transformationsprozessen spielen - und damit die Gedanken, die diese Gefühle hervorrufen, siehe die saure Zitrone s.u.. Negative Emotionen und Gedanken kicken über entsprechende Stresshormone unser hormonelles Gleichgewicht aus der Komfortzone - wir fühlen uns unwohl. Das Gefühl, wenn wir jemanden lieben und vertrauen, schickt ganz andere Botenstoffe und Signale durch den Körper, wie zB. das Schmusehormon Oxytocin. Ein einziger Gedanke kann das autonome Nervensystem aktivieren und deutliche Reaktionen bewirken. Heißt: Indem wir einen Gedanken mit einer Emotion assoziieren, steuern wir unsere gesamte innere Welt.



Fake it till you make it


Als die Männer im Kloster ankamen, ließen sie ihr vertrautes Leben für die Dauer des Retreats hinter sich. Sie lebten, als ob sie wieder jünger wären. Sie dachten und fühlten mehr wie damals und stimulierten ihr Gehirn so mit Neuronenmustern, die sie teilweise seit über 20 Jahren nicht mehr aktiviert hatten. Sie ließen die Realität ihres aktuellen Alters (70, 80, und älter) zurück und weil alles in ihrem Umfeld mitspielte, konnte ihr Gehirn nicht unterscheiden, ob sie nun tatsächlich jünger waren oder nur so taten als ob. Ihr Körper produzierte Proteine, die zu diesen neuen Emotionen passten, diese bewirkten in der DNA eine Veränderung, die wiederum Proteine freisetzte, die für deutlich jüngere Männer konformer waren.


Unglaublich, aber wahr: Unser Gehirn und unser Körper können nicht zwischen Realität und Vorstellung unterscheiden. Für unsere Zellen macht es keinen Unterschied, ob wir gerade eine tatsächliche Erfahrung machen, oder ob wir dasselbe nur in unserer Vorstellung erleben. Aus neurochemischer Sicht sind reales Leben und bloße Gedanken dasselbe. Das lässt sich leicht überprüfen: Sobald man sich vorstellt, in eine Zitrone zu beißen, reagiert unsere Mimik mit "sehr sauer". Wenn ich als Studentin an die Prüfung gedacht habe, kamen erste Nervositätsanzeichen, obwohl ich zuhause am Schreibtisch saß. Wenn du an jemanden denkst, den du liebst, entsteht dieses warme Gefühl und du lächelst unwillkürlich. Gehirn und Körper beginnen zu glauben, dass du diese Erfahrung jetzt in diesem Moment wirklich machst.



Sei dein eigenes Placebo


Das ist der Grund, warum Menschen auf Placebos reagieren. Sich vorzustellen: Das wird mir helfen!, bewirkt dasselbe wie das tatsächliche Medikament. Dieser Effekt wurde hundertfach bewiesen, unter anderem auch in der Depressionsforschung. Wir wissen, dass eine starke Überzeugungen hier maßgeblich ist.

Den ersten 8 Herren war es gelungen, jene Schaltkreise im Gehirn zu aktivieren, die sie daran erinnerten, wer sie vor 22 Jahren gewesen waren. Darauf reagierte ihre Körperchemie auf magische Weise: Sie fühlte sich nicht nur jünger, sie wurden physisch jünger, wie eine Reihe von Tests beweisen konnte. Die Veränderung in ihrem Kopf bewirkte auch eine Veränderung in ihrem Körper. Ihre Gedanken wurden zu ihren tatsächlichen Erfahrungen. Sie wurden zu ihrem eigenen Placebo.


Was bei diesen älteren Herren funktioniert hat, funktioniert auch bei dir. Das ist kein magisches oder Wunsch-Denken, sondern reine Neurowissenschaft und Epigenetik (mehr dazu findest du zB. in den Büchern von Dr. Joe Dispenza). Wichtig für uns ist, dieses Wissen zu nutzen. Für welche Lebensrealität möchte ich mich entscheiden? Wer möchte ich sein? Was will ich für mich erschaffen?

Denn ja, wir haben eine Wahl. Das bringt uns stark in die Eigenverantwortung und heißt, permanent an der eigenen Gedankenhygiene zu arbeiten. Wenn wir mit unserer inneren Welt soviel steuern, gilt es, sie bewusster einzusetzen als bisher. Das ist nicht immer die einfache Variante. Und trotzdem beruhigend und ganz wunderbar.


Ich wünsche dir spannende Erfahrungen beim "Mind-Setten" und Placebo-Sein!





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