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  • Judith Heizer

Let it go, let it go, let it go

Aktualisiert: 18. Dez 2020

Wie leicht fällt es dir, zu vergeben?

In einer Umfrage haben über 72% der Teilnehmer*innen angegeben, dass es ihnen schwer fällt oder sie nicht wissen, wie man vergibt.

Gleichzeitig sehen über 90% in der Vergebung einen Schlüssel, um freier, selbstbestimmter und zufriedener zu leben.

- Was Vergebung für dich tut und warum es gerade nach diesem Jahr 2020 wichtiger denn je ist, die Kunst der Vergebung zu beherrschen


„Ich wurde Buddhistin, weil ich meinen Ehemann hasste.“


So etwas hört man nicht jeden Tag. Für Pema Chödrön, eine buddhistische Nonne und Autorin von „When Things Fall Apart“ war der Hass auf ihren Ex-Mann nach ihrer Scheidung der Auftakt in eine Spirale aus Negativität, Wut und Rachefantasien. - Wer von uns schon mal eine Beziehung beendet hat weiß, wie schnell es geht, den Expartner*die Expartnerin in die Ecke der Vorwürfe zu drängen und der eigenen emotionalen Not das Ruder zu überlassen. Pema beschreibt es „wie eine Krebszelle, die diese negativen Gefühle überall hin verstreut.“

Jahre später entdeckte sie die Schriften eines buddhistischen Meditationsmeisters und erkannte, wie sehr diese Gedanken und Gefühle aus der Vergangenheit ihr Leben noch immer beeinträchtigten. Und dass die Person, der sie damit Schaden zufügte, in erster Linie sie selbst war.



You can’t fix yourself by breaking someone else


Manchmal, wenn wir sehr tief verletzt sind, können wir uns kaum vorstellen, der Person, die dafür verantwortlich ist, zu vergeben. Überhaupt. Irgendwann. Jemals. Wir stricken hingebungsvoll an unserem Kettenhemd aus Rachegedanken und Bestrafung, wollen den Ärger zurückgeben, möchten uns rächen – was übersetzt soviel bedeutet wie: Ich will, dass du mindestens genauso leidest wie ich. Gerne auch ein bisschen mehr. Verdient hättest du’s.


Selbst wenn es keinen aktuellen Konflikt gibt, tragen die meisten von uns Wut und Ärger mit uns herum: Auf die Vergangenheit, das Schicksal, auf Menschen, die längst keine Rolle mehr in unserem Leben spielen, auf die Lebenden und die Toten. 2020 kommt bei manchen wohl noch das eine oder andere auf der Liste hinzu.

Doch Wut und Ärger sind wie Feuerbälle, die sich verselbständigen und fortan in unserem Inneren ein Eigenleben führen.

Und da niemand es schafft, sich gleichzeitig gut zu fühlen und sich zu ärgern oder wütend zu sein und entspannt mit seiner Familie umzugehen, heißt das: Wir werden selbst zur Krebszelle, die rundherum Negativität verbreitet. Für Buddhisten ist Rache gleich Ignoranz.

Den höchsten Preis dafür zahlen wir selbst. Denn die Spirale, in der auch Pema steckte, nachdem ihr Mann eine Affaire hatte, bedeutet nichts anderes, als dass wir jeden Tag dieselben negativen Impulse und Gefühle wiederholen. Dadurch sind Gegenwart und Zukunft schlicht nur eine Schwarzweißkopie von dem, was mal war, aber eigentlich schon vorbei ist. Freiheit, Selbstbestimmung und Lebensfreude ade. Dein echtes Potential dann noch auf die Straße zu bringen wird sehr, sehr schwer.



Die 4 größten Missverständnisse bei Vergebung


Deshalb ist Vergebung ein kräftiges Werkzeug, das uns bei einem unserer größten Probleme hilft: Durch das Festhalten am Vergangenen aus Gegenwart und Zukunft einen Einheitsbrei aus schlechten Erfahrungen und Gefühlen zu machen.

Freiheit, Vergebung und Loslassen sind drei Seiten derselbe Medaille. Freiheit wünschen wir uns, Loslassen finden wir alle grandios. Und warum tun wir uns mit Vergebung so schwer, wenn es doch so viel gibt, was unserer Vergebung bedarf?


Aus meiner Erfahrung als Coach sind die vier größten Missverständnisse bei Vergebung:


1. Du musst erst darauf warten, bis sich jemand bei dir entschuldigt, um überhaupt vergeben zu können. Zugegeben, dann ist es einfacher. Doch damit ist deine Vergebung an eine Bedingung geknüpft und du machst dich davon abhängig, ob die andere Person diese Bedingung erfüllt. In Wahrheit bist du frei, in jedem Moment die Entscheidung zu treffen, zu vergeben, ohne dass die andere Person überhaupt anwesend ist. Du kannst auch Menschen vergeben, zu denen du keinen Kontakt mehr hast (und auch keinen mehr möchtest) oder die vielleicht nicht mehr leben. Um zu vergeben, brauchst du nur dich.



2. Die Person hat deine Vergebung nicht verdient. Es geht nicht um den*die andere*n, sondern um dich. Vielleicht kann er sich gar nicht mehr daran erinnern, was passiert ist oder es ist ihr egal. Bei Vergebung geht es um deine eigene emotionale, mentale und spirituelle Freiheit, diese Entscheidung für dich zu treffen. Weil du es verdient hast, künftig keine Energie mehr daran zu verlieren.


3. Vergeben macht alles ungeschehen. Vergebung bedeutet nicht, dass es richtig war, was passiert ist oder dass es das ungeschehen macht. Zu vergeben bedeutet: Ich entscheide mich dafür, nicht länger darunter zu leiden und mir selbst zu erlauben, wieder glücklich zu sein - egal, was war.


4. Du hast es nicht verdient, dir zu vergeben. Du verdienst deine Liebe und dein Mitgefühl mehr als jede*r andere. Wir alle scheitern und machen Fehler in unserem Leben, die Frage ist: Wie lange willst du an diesem Fehler festhalten beziehungsweise wann erlaubst du diesem Fehler, sich in deine größte Weisheit zu verwandeln?



Dornwald oder Oh du Fröhliche


Gerade an Weihnachten liegt das Thema Vergebung nahe, denn:

Für die westliche Welt ist die Geburt Jesu der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Mit ihm kam eine Geschichte der Vergebung in die Welt. Und weil mit der Vergebung die Liebe beginnt, auch eine neue Qualität der Liebe. Für mich gibt es kaum ein größeres Vorbild in Sachen Vergebung, kaum etwas, das sich mehr zu feiern lohnt als das Geschenk dieser neuen Qualität.

Denn wenn mit der Vergebung die Liebe beginnt, folgt daraus, dass durch Vergebung auch all unsere Beziehungen aufblühen: Die zu unseren Familien und Freunden und die zu uns selbst. Weniger Groll senkt den Blutdruck, lässt sich aus Studien mit Paaren nachweisen.

Die Nonne Pema bezeichnet ihren Exmann heute als einen ihrer größten Lehrer.


Die höchste Stufe der Vergebung ist für Buddhisten übrigens „sattva“, was soviel bedeutet wie bedingungslos zu vergeben und der Person, die uns verletzt hat, Gutes zu wünschen. Das ist etwas für Fortgeschrittene – wie etwa den erwachsenen Jesus.


Ich wünsche dir für den Abschluss dieses besonderen Jahres und an den kommenden Feiertagen, wenn wir uns mit unseren Lieben und Liebsten umgeben und Zeit miteinander verbringen, den Spirit der Vergebung als dein persönlichstes Weihnachtsgeschenk.

Weil du es dir wert bist.


Frohe Weihnachten!





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